Literarische interreligiöse Wanderung am Brünigpass
Rückblick auf die literarische interreligiöse Wanderung am Brünigpass vom 14. August 2011 - ein persönlicher Eindruck.
Steine auf dem Weg zum Pass
Eine dramatische Geschichte über Liebe und Toleranz - im Rhythmus der Natur auf einer abgeschiedenen Alp beim Brünigpass. Mit der Autorin Anja Siouda.
Wer einen Roman liest, richtet sich im Zug ein, setzt sich in einen bequemen Sessel oder freut sich im Bett auf spannende Lektüre. Das Wandern hingegen findet im Freien statt, am liebsten bei schönem Wetter mit Aussicht auf ein Picknick oder ein schattiges Gartenrestaurant.
Was aber ist eine literarische Wanderung, eine interreligiöse Wanderung, und warum am Brünigpass? Es ist eine Mischung dieser Elemente am Ort ihrer Handlung.
Anja Siouda, eine in Frankreich bei Genf wohnhafte Luzernerin, präsentierte ihren im Sommer 2007 entstandenen Erstlingsroman auf dem Wanderweg zwischen Lungern OW und dem Brünigpass. Auf der Treppe zur Dorfkirche bittet Anja die 12-köpfige Gruppe, erstmals Platz zu nehmen. Hier liest Anja zur Einführung ein paar Seiten. Es geht um drei Brüder, die auf einer abgeschiedenen Alp schlecht und recht zusammenleben. Seit ihre Mutter gestorben ist, leidet der Haushalt. Das Essen ist eintönig, die Sauberkeit lässt zu wünschen übrig und der Ton zwischen den ungleichen Brüdern wird zunehmend gehässig. Das Trio ist sich einig: So kann es nicht weitergehen. Eine Frau muss her! Eine, die zum Rechten schaut! Martin, der 37-jährige Mittlere, will es mit einer Kontaktanzeige versuchen…
Eine halbe Stunde später und ein paar Höhenmeter bergauf, greift Anja Siouda wieder zum Buch und liest weitere Abschnitte. Eine junge Frau ist gefunden. Eine Ausländerin, eine, die kein Deutsch spricht, die einen andern Glauben hat.
Bis die Gruppe oben beim Naturfreundehaus eintrifft (und zu Aelplermakronen mit Apfelmus erwartet wird), erfährt sie noch bei weiteren Lesepausen, wie sich die (Liebes-) Geschichte entwickelt. Mehr dazu auf der Website: www.anjasiouda.com
Wie hat die kombinierte Wanderung / Lesung gefallen? Die Teilnehmenden sind sich einig: sehr gut! Die Landschaft am Brünig ist wunderschön, und die wiederholten Lesepausen unterwegs bildeten zugleich spannende wie willkommene Ruhepunkte auf dem Weg in die Höhe.
Johannes Schleicher, Leiter des Hauses St. Dorotha, Via Cordis, Flüeli Ranft, ist zufrieden. Bei ihm traf sich ein Teil der Gruppe bereits am Vorabend mit der Autorin. Im Gespräch mit ihr zeigte sich der Hintergrund des Romans. Oben am Brünig bewirtschaftete Anjas Vater eine kleine Alp. Anja ist zwar seit ihrer Kindheit mit der Gegend vertraut, die eigentliche Geschichte aber hat sie von A - Z erfunden.
Heinz Haab, 15.8.2011
Bilder: Johannes Schleicher und Daniela Abeztout
Artikel Obwalden und Nidwalden Zeitung, 18. August 11: http://www.onz.ch/artikel/108971/

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